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Narco News Issue #39

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Diejenigen, die uns heute auffordern, zu vergessen, treffen die Entscheidungen in den Festungen und Palästen dieses Landes

Über die Ankunft und den Beginn der Anderen Kampagne


Von Concepción Villafuerte
Aus Chiapas

3. Januar 2006

San Cristóbal de las Casas am 1. Januar 2006: Wie bereits lange zuvor angekündigt, hat die Andere Kampagne unter Leitung des aufständischen Subcomandante Marcos nun begonnen. Im Laufe des 1. Januar 2006 versammelten sich Unterstützergruppen der Zapatisten im Westen der Stadt San Cristóbal. In der Abenddämmerung machte sich die Menge auf den Weg in das Stadtzentrum.

Subcomandante Marcos verließ La Garrucha, ein Dorf in einer der autonomen zapatistischen Gemeinden, am frühen Nachmittag. Zur Überraschung der anwesenden Journalisten, Beobachter und Neugierigen kam er allein, ohne jegliche Eskorte, schwang sich auf sein Motorrad und fuhr Richtung San Cristóbal.

Er ist allein, zumindest, was seinen Schutz anbelangt – und jeder unerwünschten Situation ausgesetzt – etwas, dass keiner der EZLN – Anhänger wünscht, aber niemand kann ihm irgendeinen Schutz gewähren.


Subcomandante Marcos in La Garrucha
Photo: tiros@mediosindependientes.org, Chiapas Indymedia
Die Journalisten und alle anderen ließ er bald hinter sich, denn natürlich ist ein Motorrad hier schneller als jedes andere Verkehrsmittel. Diesmal wurden die Straßen nicht von der Polizei freigehalten, ganz anders als beim Marsch der Zapatisten im Jahr 2001, bei dem die Regierung gegenüber den Medien erklärt hatte, für die Sicherheit der Zapatisten-Karawane zu garantieren. Rubén Velásquez von der Regierung des Bundesstaates Chiapas gab lediglich bekannt, dass für die Sicherheit des Guerilla-Chefs genauso gesorgt werde, wie für die aller anderen Bürger auch. Was fünf Jahre ausmachen können.

Mittlerweile hatte sich auch der Marsch in Bewegung gesetzt, ein gewaltiger Zug, wie er auch bei früheren Ereignissen schon zu sehen war. Die Kontingente der Indigenen boten ein beeindruckendes Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschieden sich durch die regionalen Trachten, die einige zu solch besonderen Anlässen anlegen, wobei die meisten schlicht in ihrer Arbeitskleidung kamen – wahrscheinlich die einzige Kleidung, die sie besitzen. Da waren sie zu Aberhunderten und Tausenden. Die Zahlen werden wie immer ein wenig übertrieben. Sie basieren darauf wie viel Raum die Leute auf der Piazza der Kathedrale einnehmen, die etwa 20.000 fasst, zu denen noch diejenigen kommen, die ringsherum verstreut waren, insbesondere Frauen mit ihren kleinen Kindern, die auf den Stufen des Rathauses saßen und sich ausruhten.

Sie versammelten sich also auf dem zentralen Platz vor der Kathedrale, der von einigen Platz des Friedens und anderen Platz des Widerstands genannt wird. Hier war die Bühne aufgebaut, von der die Comandantes der EZLN, Männer und Frauen, ihre politische Botschaft verkündeten. Später sprach Subcomandante Marcos, der seit gestern als „Delegado Zero“ (Delegierter Null) der Anderen Kampagne unterwegs ist.

Die Reden der Comandantes drehten sich um den Kampf und die immerwiederkehrenden Probleme in den letzten zwölf Jahren. Unter der Zuhörerschaft befanden sich nur wenige Nicht-Indigene. Einige waren aus Neugier gekommen, andere waren einfach als Touristen da, und nur sehr wenige Ortsansässige nahmen teil. Es war ein hundertprozentig zapatistischer Aufmarsch.

In seiner Rede forderte Subcomandante Marcos zu einer Schweigeminute für alle Genossinnen und Genossen auf, die in dem Aufstand vor 12 Jahre ihr Leben verloren hatten.

Tief bewegt dankte er später den Indigenen der EZLN auf Tzeltal und Spanisch, die gekommen waren um ihn zu verabschieden.

„Es ist meine Aufgabe, als erster den Weg zu erkunden, den wir alle beschreiten werden, um zu sehen, wo Gefahren lauern, und den Kampf der Zapatisten mit dem Kampf der Arbeiter in der Stadt und auf dem Land zu vereinen. Sollte mir etwas zustoßen, so wisset, dass es mich mit Stolz erfüllt hat, an Eurer Seite zu kämpfen. Ihr seid für mich die besten Lehrer und Anführer gewesen, und ich bin mir sicher, dass ihr unseren Kampf auf dem richtigen Weg fortsetzen würdet und uns mit dem Wort Würde beibringt, besser zu sein.

„Wir sind der Wind, wir fürchten uns nicht davor, im Kampf zu sterben. Das Wort ist nun in gute Erde gepflanzt. Diese gute Erde sind Eure Herzen, in denen jetzt die Würde der Zapatisten blüht.“

Dann informierte er die Menge, dass Comandante German, ein alter Guerilla-Kämpfer, den der mexikanischen Nachrichtendienst CISEN für einen der ursprünglichen Gründer der EZLN hält, das Verbindungsglied zwischen der EZLN und ihren Unterstützern sein wird.

„Ich möchte Comandante Germán bitten zu uns herauf zu kommen. Er hat eine bedeutende Rolle in der Geschichte der EZLN gespielt. Die EZLN verdankt ihm ihre erste Saat und ich persönlich verdanke ihm mehr als mein Leben, dafür dass er uns den Weg gezeigt hat, die ersten Schritte und unsere Bestimmung. Wir Zapatisten kennen den Architekten Fernando Yañez als Comandante German. Wir haben ihn gebeten, dass zapatistische Verbindungsbüro zu übernehmen, das der EZLN und der Sechsten Kommission als Medium dienen soll, um mit all den anderen Mitstreitern der Anderen Kampagne in Kontakt zu bleiben. Außerdem soll es uns bei der Pflege der Beziehungen zu linken und antikapitalistischen Organisationen in Mexiko und weltweit helfen.“


Die Menge in der Nacht des 1. Januar
Photos: Julie Webb-Pullman
Im späteren Verlauf seiner Rede kommentierte Marcos das Vorgehen der örtlichen Behörden. Diese hatten nämlich in den Strassen, die der Zug der Zapatisten nutzte, um zur Piazza der Kathedrale zu gelangen, das Licht ausgeschaltet. Er erklärte, dass die Andere Kampagne hofft, die Kämpfe anderer mit dem der EZLN zu vereinen, um gemeinsam ein Licht zu erschaffen, dass so stark ist, dass die Mächtigen aufgeben. Dann griff er den „Pakt von Chapultepec“ an, ein Entwicklungsplan, den die Eliten des Landes im letzten Herbst vorschlugen.

„Die Sechste Erklärung schlägt vor, dass wir losgehen, mit den Leuten sprechen und Übereinkommen mit all jenen treffen, die an den Maschinen arbeiten, die Erde pflügen, die alle möglichen Waren produzieren und Dienstleistungen erbringen und denen am Ende nichts bleibt.“

„Von allem, was wir besitzen, sind unsere Leben das Geringste. Wir stecken unsere moralische Autorität, unser Ansehen und das bisher Erreichte in diese Initiative.“

Der Hauptadressat der Sechsten Erklärung, die finanzielle Elite Mexikos, hat nur einige Monate nach ihrer Veröffentlichung quasi eine Gegenerklärung unterschrieben, benannt nach dem Unterzeichnungsort, dem Kastell von Chapultepec.

„Diejenigen, die uns heute auffordern, unsere Bedürfnisse und unsere Kämpfe zu vergessen, und uns ihnen zur Verfügung zu stellen, auf dass sie für uns entscheiden können, treffen die Entscheidungen in den Festungen und Palästen dieses Landes.“

Nach Mitternacht zogen sich die Zuhörer zurück, begaben sich zu ihren Verkehrsmitteln und verließen den Platz wieder in völlig intaktem Zustand. Vielleicht hinterließen sie etwas Abfall, aber die diensteifrigen Straßenkehrer ließen bis zur Morgendämmerung nichts davon übrig.

Die restlichen Morgenstunden des 2. Januar 2006 vergingen ohne Zwischenfälle. Die Strassen des Jovel-Tals waren wieder ruhig, nachdem Subcomandante Marcos in dem bescheidenen Gasthof „La Cábala del Monte“ einkehrte.

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