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Narco News Issue #39

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Adiós, Ramona

Die „beste Waffe" der EZLN ist tot


Von Andrew Kennis
speziell für das Narco News Bulletin

7. Januar 2006

Tonalá und San Cristóbal de las Casas, Chiapas, Mexiko - Nach einem zehnjährigen Kampf gegen den Nierenkrebs verstarb gestern am frühen Morgen die zapatistische Kommandantin Ramona. Die Tränen zurückhaltend und mit gebrochener Stimme verkündete der Subcomandante Marcos den Tod Ramonas auf dem halben Weg des chiapanekischen Teils der „Anderen Kampagne”, der sechsmonatigen Rundreise der Zapatisten.


Comandanta Ramona, 1959-2006
„Ich möchte Sie respektvoll bitten mich nicht zu unterbrechen, bis ich zu Ende gesprochen habe… Man hat mich informiert, dass die compañera Kommandantin Ramona heute morgen verstarb… Die Welt hat eine dieser Frauen verloren, die neue Welten gebären. Mexiko hat eine dieser Kämpferinnen verloren, die es braucht. Und uns wurde ein Stück aus dem Herzen gerissen”, sagte Marcos. Der selbsternannte „Delegierte Nummer 0” sagte daraufhin, dass alle für die nächsten Tage geplanten Aktivitäten abgesagt würden und dass die Delegation der Anderen Kampagne sofort zum Begräbnis nach Oventic reisen werde, das nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein werde. Die bewegende Ankündigung erfolgte gestern gegen 16 Uhr nach einer abrupten Pause von einer Stunde während einer fast sechsstündigen Kundgebung im Zentrum des kleinen Küstenorts Tonalá. Ramona, die Kämpferin für die Rechte der Frauen und ihr Handwerk fühlte sich gestern schwach, während sie aufstand, reiste aber dennoch von Oventic nach San Cristobal de las Casas. Im Verlauf der Reise verstarb sie. Der letzte öffentliche Auftritt fand im September des letzten Jahres statt, als sie vor der Plenarversammlung sprach, die tief im lakandonischen Regenwald, dem Herz des zapatistischen Territoriums, stattfand um die Andere Kampagne zu planen. Ramona ist seit dem Ende des Aufstands vor 12 Jahren das erste Mitglied des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees (CCRI), der Führung des Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN), das gestorben ist. Ihr Kampf gegen den Krebs war ein langer; 1996 erhielt sie nach einer langen Spendenkampagne eine Nierentransplantation. Die meisten Sympathisanten sind der Meinung, dass diese Operation ihr Leben um 10 Jahre verlängert hat. Aufgrund ihrer Krankheit hatte Ramona wenige öffentliche Auftritte, seit die Zapatisten mit ihrem Aufstand in der Öffentlichkeit erschienen, aber sie hat auf zahlreiche Weisen ihre Spuren in dieser rebellischen indigenen Gruppe hinterlassen so wie auch unter ihren Sympathisanten.

1993 konsultierte die Kommandantin Ramona gemeinsam mit dem Major Ana María die zapatistischen indigenen Gemeinschaften, die damals noch im Untergrund waren, über die Ausbeutung der Frauen und sie verfassten das Revolutionäre Frauengesetz. Am 8. März dieses Jahres wurde dieses Gesetz angenommen. Ramona war eine kleine Frau mit einer sanften Ausdrucksweise, die große Verantwortung trug wie z.B. das militärische Kommando in San Cristobal während des Aufstands von 1994. Im Februar des selben Jahres und nachdem die Zapatisten nach 12 Tagen des Aufstands als Reaktion auf massiven Friedensmärsche einen Waffenstillstand verkündeten, war Ramona die erste zapatistische Vertreterin, die während der Friedensverhandlungen mit der Regierung sprach. Zwei Jahre später, als die mexikanischen Autoritäten den Zapatisten verboten am Nationalen Indigenen Kongress in Mexiko-Stadt teilzunehmen, wurde die zerbrechliche und kranke Ramona damit beauftragt sie zu repräsentieren. Der Plan funktionierte, da die Regierung Ramona akzeptierte und sie in die Hauptstadt fuhr um die Zapatisten zu repräsentieren, wobei sie nicht nur an dem wichtigen nationalen indigenen Treffen teilnahm, sondern auch auf dem Zócalo (Hauptplatz) von Mexiko-Stadt vor 100.000 Sympathisanten sprach.

Die mexikanische Regierung, die durch die Popularität der armen und indigenen Frau verunsichert war, unternahm verschiedene Versuche ihren Einfluss zu unterminieren. 1997 gingen sie so weit zu behaupten, die Rebellenführerin sei gestorben und als sie in der Öffentlichkeit auftrat, beschuldigten die Autoritäten die Zapatistas ein Double benutzt zu haben.

Ramonas Tod spiegelt die Krise des öffentlichen Gesundheitswesens wieder unter der die verarmten indigenen Gemeinschafen von Chiapas leiden. Im Hochland des südöstlichen Staates Mexikos, wo die Mehrheit der Indígenas Chiapas´ lebt, gibt es keine Krankenhäuser. Die Staatsregierung hat vor Jahren versprochen ein Krankenhaus in San Andrés Larraínzar (dem selben Dorf, in dem 1996 die von der Regierung nicht erfüllten Friedensverträge zwischen den Zapatisten und der Regierung abgeschlossen wurden) zu bauen. Allerdings blieb es bei dem Versprechen und Chiapas leidet weiterhin unter einem Mangel an notwendiger Gesundheitsversorgung in den abgelegeneren Gebieten. Nur in San Cristobal, das in einer Entfernung von zwischen 2 und 12 Stunden entfernt von der Mehrzahl der indigenen Gemeinschaften liegt, können Frauen zur Vorsorgeuntersuchung gehen, die bei frühzeitiger Erkennung von Krebs Leben retten kann. Der Mangel an Krankenhäusern und die hohen Kosten der medizinischen Untersuchung verhindern den Zugang der Armen Chiapas´zu medizinischen Dienstleistungen.

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