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Narco News Issue #40

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Die Zapatisten lösen roten Alarm aus: Das Andere Mexiko am Rande einer Explosion von unten

Die Andere Kampagne erreicht die Stunde Nul


Von Bertha Rodríguez Santos und Al Giordano
Der Andere Journalismus an der Seite der Andere Kampagne in Mexiko-Stadt

3. Mai 2006

MEXIKO-STADT: Seinen ersten Stellungnahmen heute morgen im historischen Alameda Park von Mexiko-Stadt ist zu entnehmen, dass Zapatista Subcomandante Insurgente Marcos über die Polizeikrawalle in der nahe gelegenen Stadt Texcoco gut informiert und offensichtlich beunruhigt ist. Dort hatten 800 schwer bewaffnete Bereitschaftspolizisten bei Tagesanbruch den Markt der ortsansässigen Blumenzüchter gestürmt. Dies führte zu einer brutaler, landesweit im Fernsehen übertragenen Schlacht zwischen den Schusswaffen von Oben und den Werkzeugen von Unten. Am Nachmittag – nachdem der „Delegierte Null“ zu Fuß, mit der U-Bahn und mit dem Motorrad in den Arbeitervierteln im Zentrum von Mexiko-Stadt unterwegs war und sich dort die Klagen der Menschen angehört hatte – platzte ihm auf der Plaza de las Tres Culturas (Platz der drei Kulturen) der Kragen: Die Zapatistas hätten den roten Alarm ausgelöst, die andere Kampagne würde verschoben und er werde sich zum Tatort begeben, um dem mexikanischen Staat gegenüberzutreten.

„Bis zum Tod, wenn es sein muss“, wie er vor zwei Tagen während einer Massenversammlung vor dem Nationalpalast erklärte.

Und nun der rote Alarm…

Die ersten Anzeichen gab es um 10 Uhr vormittags. Bei einer Versammlung mit „sexuellen Dissidenten“ (Schwulen, Lesben, Transvestiten, „anders Liebenden“ und in der Sexbranche Arbeitenden, die die „Andere Kampagne“ der Zapatisten unterzeichnet hatten) in der Alameda, dem historischen Park im Zentrum der Metropole, äußerte sich Marcos zum gerade stattfindenden Polizeieinsatz in Texcoco: „Wenn die von oben meinen, dass sie uns auch weiterhin unterdrücken können, haben die sich geirrt. Die Andere Kampagne ist nicht nur eine Bewegung der Worte, sondern auch eine Bewegung, die handelt.“ Er erklärte, die für sechs Uhr geplante Versammlung mit den Unterzeichnern der Kampagne im Zentrum von Mexiko-Stadt, sei abgesagt worden, damit er sich dem Konflikt widmen könne, der in weniger als einer halben Stunden Entfernung von Mexiko-Stadt stattfand.

Die von der Gewalt betroffenen compañeros und compañeras in Texcoco waren nämlich Unterzeichner der Anderen Kampagne aus San Salvador Atenco. Diese hatten 2001 und 2002 die Bundesregierung mit Macheten verjagt and den Bau eines internationalen Flughafens verhindert, der auf ihrem Ackerland gebaut werden sollte. Diese Männer und Frauen hatte Marcos am 25. und 26. April besucht und gebeten, ihren Nachbarn zur Hilfe zu eilen, um dem übrigen Mexiko zu zeigen, wie man sich wehrt, seine Rechte verteidigt und Autonomie erzielt. Heute Vormittag begaben sich die Männer und Frauen von Atenco ins nahe gelegene Texcoco und vertrieben dort gemeinsam mit den Ortsansässigen die Polizei. Die Reaktion der Regierung: mehr Polizei. Es folgte das, was in den Fernsehnachrichten Krawall genannt wurde (tatsächlich aber handelte es sich im Polizeikrawalle).

Später (gegen Mittag), bei einer Versammlung mit Arbeitern von La Merced, des größten Marktes von Mexiko-Stadt, nachdem er sich die Klagen der Ladenbesitzer and anderer über die Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden angehört hatte (diese wollen den mexikanischen Markt zerstören und Platz für einen Wal-Mart, Einkaufszentren und Supermärkte schaffen), bezog sich Marcos wieder auf die nahebei stattfindende Schlacht: „Sie attackieren die kleinen Geschäftsleute von Texcoco, weil Sie hässlich und schmutzig sind, und wenn wir an der Oberfläche kratzen, stellen wir fest, dass ein Bürgermeister hier einen Wal-Mart errichten möchte. Ihnen ist bewusst, dass die Ladenbesitzer bessere Waren verkaufen – bessere als die Scheißtomaten, die zwar schön aussehen, aber aus Plastik sind, genau wie die aus dem Supermarkt.“

Den gesamten Nachmittag verbrachte Don Marcos de la Selva im tiefsten Betondschungel von Mexiko-Stadt. Die beiden nationalen Fernsehsender – das Duopol Televisa und TV Azteca – zeigten in Live-Übertragungen fürchterliche Szenen von Gewalt, Tränengas, Blut und Tod vom Markt und von der Landstraße in Texcoco. Während der Live-Übertragungen zwangen mit Macheten bewaffnete Frauen die Fernseh-„Reporter“ mehrmals, die verzerrte Berichterstattung zu unterlassen. In einem Fall jagten sie sogar einen Televisa-Reporter – ein Macho, den aber plötzlich die Angst packte, als er die scharfen Macheten der Frauen erblickte – die Treppe hinunter, während die Kamera ausblendete.

Um fast sechs Uhr, eine Stunde entfernt, wurde der Zapatista Karawane, die jetzt auf der Plaza de Tres Culturas angekommen war, telefonisch mitgeteilt, dass die Polizei in Texcoco einen Jugendlichen umgebracht hatte. Auf der Plaza, wo am 2. Oktober 1968 über tausend junge Mexikaner von den Streitkräften ermordet wurden, weil sie friedlich gegen die Diktatur der Regierung demonstriert hatten, hielt Marcos eine wuterfüllte, aber schlüssige Rede, die in die Geschichte eingehen wird. Es schien fast, als sprächen die Toten mit der Stimme des EZLN-Sprechers:

„Vor vielen Jahren fand hier auf der Plaza de las Tres Culturas ein Massaker statt. Die Regierung behauptete, man hätte die Streitkräfte angegriffen…. Heute fragen die Medien nicht, auch nicht das Radio, was die Streitkräfte in San Salvador Atenco treiben.“

Er forderte alle Unterzeichner der Anderen Kampagne dazu auf, ab 8 Uhr morgens des folgenden Tages, Donnerstag, dem 4. Mai, Straßen zu blockieren und andere Aktionen zu starten.

Er erklärte, die Guerrilla-Truppen der EZLN seien nun in Alarmbereitschaft der Stufe Rot, die zapatistischen Räte der guten Regierung von Chiapas am folgenden Tag geschlossen und die Veranstaltungen der Anderen Kampagne verschoben, solange sich keine Lösung fände. Er bot an – sollten die Menschen von San Salvador Atenco darum bitten –, ihnen am folgenden Tag höchst persönlich zu Hilfe zu eilen.

Es bezweifelt wohl niemand, das die Menschen von Atenco ihn – und die restliche Andere Kampagne – beim Wort nehmen werden.

Auf der Plaza de las Tres Culturas – auf dem auch heute noch die Toten sprechen – rief Subcomandante Insurgente Marcos erneut zur „zivilen, friedlichen“ Rebellion auf, die am nachfolgenden Tag, am Mittwoch, dem 4. Mai beginnen soll.

Am 5. – El Cinco de Mayo – feiert Mexiko den Sieg über die französischen Kolonialherren. (Und Narco News – unsere Reporter wurden heute nach zwei langen Nächten hinter Gittern aus dem Gefängnis in Oaxaca entlassen; sie verlangen Gerechtigkeit für die Verstöße des mexikanischen Staates und der US-amerikanischen Botschaft gegen die Pressefreiheit – ruft zu einer Demonstration auf: am Freitag, Cinco de Mayo, in New York City, um 12:30 Uhr, vor dem mexikanischen Konsulat in New York City, 27 East 39th Street. Macht alle mit und zeigt der Medienkapitale der Welt, dass heute in Mexiko eine Diktatur herrscht, die das Volk mit Gewalt unterdrückt.)

Heute braut sich nicht nur oben über der Region von Zentral-Mexiko, sondern auch von unten etwas zusammen. Es handelt sich um den roten Alarm. Was nun passiert, hängt von Menschen wie dir ab und vielleicht auch von dir.

Fortsetzung folgt…

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