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Narco News Issue #40

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Polizisten bezeugen, dass die Prügel und willkürlichen Festnahmen in Atenco auf den ausdrücklichen Befehl von oben erfolgten

Polizisten wenden sich gegen ihre Vorgesetzten: Die Bürger von Atenco jagen Televisa aus der Stadt – vor den Augen von vier Nationalgardisten


Von Al Giordano
Der Andere Journalismus begleitet die Andere Kampagne in Mexiko

5. Juni 2006

Zwei heute Vormittag in den mexikanischen Medien veröffentlichte Artikel zeigen, dass sich die Wut von unten als Reaktion auf die Staats- und Mediengewalt auch weiterhin gegen die Täter der Schreckenstaten von Atenco richtet, die das Bewusstsein der Welt erschüttern. Anfang letzten Monats wurden über 200 Bürger verhaftet, die meisten davon verprügelt und gefoltert, und die meisten der festgenommenen 47 Frauen sexuell missbraucht oder vergewaltigt. Die gigantischen Bemühungen der Beamten der Bundesregierung von Präsident Vicente Fox und des Gouverneurs des Staates Mexiko, Enrique Peña Nieto, abzublocken, die Verantwortung für das Verbrechen zu leugnen und zum Vertuschen der am 3. und 4. Mai begangenen Menschenrechtsverstöße erneut gegen die Menschenrechte zu verstoßen, werden untergraben durch die ans Licht kommenden Tatsachen.

Auf der Titelseite der größten mexikanischen Tageszeitung, El Universal, wird heute berichtet: „Mindestens 50“ der Nationalgardisten, die am 4. Mai am Polizeieinsatz in Salvador Atenco beteiligt waren, haben ausgesagt, dass die an jenem Tag von ihnen ausgeübte Polizeigewalt auf Befehl der Vorgesetzen erfolgte.

Rogelio Cortez Cruz, Staats-Polizeipräsident, der den Einsatz leitete, gab den Befehl, die Bevölkerung zu brutalisieren und ohne Durchsuchungsbefehl in Häuser einzudringen, um die Festnahmen durchzuführen. Er wies die Gardisten wörtlich dazu an, „die Mütter der Bürger fertig zu machen“ und sie ohne Unterschied „alle durchzuficken“. Die Gardisten sagten aus, dass sie die gleichen Befehle über den Polizeifunk erhielten. Der Tageszeitung nach haben mindestens 50 Nationalgardisten dies in schriftlichen Aussagen bezeugt.

Die Polizisten, gegen die nun selbst wegen der in jenen Tagen verübten Vergewaltigungen, Folterungen und Brutalitäten ermittelt wird, behaupteten, dass Remedos Estrada Colín, der Assistent des für die Region zuständigen Polizeipräsidenten, die Befehle von oben bestätigt hätte.

„Nach den Informationen von EL UNIVERSAL behaupten praktisch 90% der Polizisten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt, dass beide Kommandeure „ausdrücklich“ befahlen, jeden Bürger, der ihnen in den Weg käme, zu verprügeln und mit Repression zu bestrafen, und in private Häuser einzudringen, um „Wilfrido Robledo gute Resultate zu bringen.““

Robledo, der Staatspolizeikommissar, versuchte, die „Ausschweifungen“ (seine Bezeichnung) seiner Gardisten als vereinzelte Taten herunterzuspielen, die von einfachen Polizisten begangen wurden. Er und sein Boss, Gouverneur Peña Nieto, haben die „zeitweilige Suspendierung der Polizisten“ angekündigt, „damit sich die Lage beruhigt“. Seinen Bemühungen, Sündenböcke ans Messer zu liefern, um selber der Justiz zu entgehen, werden nun die Aussagen seiner eigenen Gardisten entgegengesetzt. Die Aussagen wurden laut El Universal vor dem Staatsanwalt gemacht, der von den Nationalgardisten handschriftliche Zeugenaussagen erhielt und danach Lügendetektortests durchführte.

Die anfänglichen Anstrengungen der Polizei, geeint zu leugnen, dass diese Straftaten überhaupt begangen wurden, sind in gegenseitige Schuldzuweisungen ausgeartet. Wie auch in der Botschaft der Anderen Kampagne der Zapatisten kommt sogar bei der Polizei das Gegengewicht von unten.

Atenco fordert Televisa heraus

Sollte es der Zweck des blutigen Polizeieinsatzes in Atenco – und der darauf folgenden Bemühungen der Medien, die Stadtbewohner zu verteufeln, die mit der Machete in der Hand vor vieren Jahren den Bau eines neuen Flughafens erfolgreich abwehrten – gewesen sein, den Kampfgeist der Stadt zu erdrücken, hat diese Strategie wohl ihre Wirkung verfehlt.

Auf Televisas eigener Website wird berichtet, dass am Sonntag „Stadtbewohner in San Salvador Atenco im Staate Mexico ein Televisa Nachrichtenteam angegriffen und bestohlen hätten.“

Außerdem behauptet der Fernsehsender, dass dies vor den Augen von vier Nationalgardisten geschah, die am Eingang zur Stadt geparkt hatten.

Das klingt nicht so, als sei es gelungen, den Kampfgeist aus der Bevölkerung herauszuprügeln.

Laut Televisa hatten drei Mitarbeiter des Senders – ein Kameramann, ein „Reporter“ und ein Fahrer – an der Texcoco-Lechería Schellstraße geparkt, als sie in Atenco ein vermeintliches Feuerwerk hörten. „Sie beschlossen, sich dem Ereignis zu nähern, um zu sehen, was los war.“ Auf der Website des Senders wird behauptet:

„Am Haupteingang zur Stadt stand ein Inter-Staat-Streifenwagen mit der Nummer 07755, um den herum vier Polizisten standen.

„Kameramann Antonio Peña nahm mit seiner Videokamera Bilder von der Schnellstraße auf und ging gemeinsam mit dem Reporter über die Fußgängerbrücke.

„Zwei Minuten später gingen sie zu ihrem, neben dem Polizeiwagen geparkten Auto zurück und der Kameramann legte seine Kamera hinten in das Fahrzeug.

„Sie unterhielten sich einen Augenblick mit der Polizei über die dortige Situation und wollten gerade wegfahren, als 30 Menschen auf Fahrrädern und Fahrrad-Taxis ankamen, sie beleidigten und bedrohten, so dass sie in ihren Wagen einstiegen.

„Als der Motor bereits lief, öffnete einer der Aggressoren die Tür auf der Fahrerseite und versuchte, den Fahrer herauszuziehen. Adolfo Camarena Ibarra machte plötzlich die Tür zu und verschließ sie. Gleichzeitig öffnete eine andere Person die Hintertür und nahm die Kamera des Fotografen.

„Die Aggressoren traten gegen das Fahrzeug und die Drohungen gingen so weit, dass …die vier Staatspolizisten, die sich in ihren Polizeiwagen gesetzt hatten, wegfuhren – gefolgt vom Televisa Nachrichtenteam.”

Vielleicht haben die Nationalgardisten angesichts der Ereignisse vor einem Monat nun ihre Zweifel. Hatten ihre eigenen Vorgesetzten doch wieder einmal dafür gesorgt, dass die Polizei für zwei illegitime Institutionen – den Staat und die Massenmedien – den Kopf hinhalten muss.

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