<i>"The Name of Our Country is América" - Simon Bolivar</i> The Narco News Bulletin<br><small>Reporting on the War on Drugs and Democracy from Latin America
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Narco News Issue #41

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„Bereiten wir unsere nächsten Schritte vor“

Worte der Sechsten Kommission der EZLN für das II. Indigene Treffen der Halbinsel


Von Subcomandante Insurgente Marcos
Das Andere Mexiko

29. August 2006

Worte der Sechsten Kommission der EZLN für das
II. INDIGENE TREFFEN DER HALBINSEL

Candelaria, Campeche, Mexiko.
August 2006.

Compañeras und Compañeros:

Wir danken der Indigenen Koordination der Peninsula und dem Indigenen Nationalen Kongress dafür, uns in diesem Treffen einen Platz gegeben zu haben.

Wir danken auch den Compañeros und Compañeras von Candelaria, Campeche, die bereit waren der Ort zu sein, an dem sich unsere Worte und Gedanken sich treffen und gehen.

Dies ist unser Wort als zapatistische Indigenas, die wir sind. Wir grüßen nicht nur die Maya-Wurzel, die uns mit den indigenen Völkern vereint, die dem Land und dem Himmel in Quintana Roo, Yucatán und Campeche Würde verleihen.

Sondern auch die große Wurzel, die uns mit allen Indigenas unseres Landes vereint.

So wie wir früher im Indigenen Nationalen Kongress der indigenen Würde begegnet sind, die mit verschiedenen Sprachen, Kulturen und Formen für unsere Rechte kämpft, sind wir jetzt in der Anderen Kampagne noch weiteren indigenen Völkern und anderen Compañeros und Compañeras begegnet, die jene von unten und links sind.

Unser Anliegen als indigene Völker ist weiterhin lebendig und gegenwärtig, unter anderem dank der Compañeros und Compañeras vom Indigenen Nationalen Kongress, ganz besonders der indigenen Völker der Pazifik-Mitte-Region.

Mit ihnen sind wir diesen neuen Schritt eingegangen, der danach sucht eine neue Form zu errichten Politik zu betreiben, antikapitalistisch und links, ein landesweites Kampf-Programm und eine neue Verfassung aufzubauen, und den wir die Otra Campaña – die Andere Kampagne nennen.

In dieser Bewegung lernen wir die Arbeiter und Arbeiterinnen, die Campesinos, die Studenten, die Lehrer, die erwachsenen, jungen und heranwachsenden Frauen, die Alten, die Kinder, die Angestellten, die Künstler, die Intellektuellen, die Glaubensmenschen, die Andersliebenden und die Jugendlichen, als Compañero und Compañera zu bezeichnen; viele Menschen, die durch ein System beraubt, ausgebeutet, verachtet und unterdrückt werden, die das Geld zum Gesetz und die Simulation zur Doktrin erhoben hat.

So verschieden wie wir sind, haben wir darin eine Gleichheit gefunden, den Verantwortlichen für unsere Schmerzen zu suchen und zu finden: das kapitalistische System.

Unsere individuellen Kämpfe gingen nicht verloren, sie sind gewachsen. Nicht nur weil sie ihren Mut mit andere verbunden haben, sondern auch weil sie den Feind bestimmt und beschlossen haben sich ihm zu stellen.

Unser Kampf für die Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie weiß, dass diese nicht in dem System existieren können, das sich unserem Land durch Blut und Feuer aufgezwungen hat.

Die Freiheit, die unseren Compañeros und Compañeras Gefangene von Atenco, und den Hunderten politischen Gefangenen, Verschwundenen und Verfolgten unseres Landes, entrissen worden ist.

Die Gerechtigkeit, die der Bevölkerung von Oaxaca verweigert wird, die zusammengeschlossen in der Volksversammlung der Bevölkerung von Oaxaca, den Rücktritt des schlechten Regierenden Ulises Ruiz fordert.

Die Demokratie, die bei den letzten Präsidentschaftswahlen in Betrug und dreister Hohn verwandelt wurde, und nahe dran ist, zum Grab des elektoralen Weges zu werden.

Wir in der Anderen Kampagne, versuchen eine andere Freiheit, eine andere Gerechtigkeit und eine andere Demokratie zu errichten.

Wir wissen, dass wir dafür das kapitalistische System niederreißen, und gemeinsam ein anderes Land suchen müssen.

Auf dieser Wegstrecke müssen wir auch den Raum unserer Verschiedenheiten errichten, unsere Identität und Geschichte verteidigen.

Als indigene Völker, können wir diesen Aufbau nicht beiseite schieben oder unterordnen.

Er hat seinen eigenen Schritt, seine eigene Logik, sein eigenes Schicksal.

So haben wir innerhalb dieser großen Bewegung gesehen, wie einige Menschen unsere Differenzen und die von anderen weiterhin nicht sehen, und ihre Vision und ihre Entscheidungen aufzwingen wollen.

Weit entfernt von den Medien und den Angelegenheiten, die für da oben „wichtig“ sind, schreiten wir in der Anderen Kampagne als indigene Völker weiter voran, wir treffen uns, wir finden uns, wir machen unsere Vereinbarungen und errichten eine Identität, unsere Identität, innerhalb der Anderen Kampagne und unseres Landes.

Als Zapatisten öffnen wir auch weiterhin das Herz und das Hören für die Gedanken aller, die mit uns kämpfen.

Ohne zu verhöhnen, sammelt unser Hören die Worte verschiedener Gebiete und Wirklichkeiten, aber alle von unten und von links.

Mit diesen verbündeten Gedanken, bereiten wir unsere nächsten Schritte vor.

Dieses Treffen der Indigenen Völker, das heute auf dem Maya-Gebiet der Halbinsel stattfindet, ist Teil dieses Prozesses, den wir beschreiten.

Und hier ist unser Wort.

Während da oben der Lärm und die Hast der Mächtigen versuchen ein weiteres Mal einen schlechten Regierenden aufzuzwingen, den sie durch Lügen und Verachtung auf den Thron setzen.

Während gesagt und wiederholt wird, dass nur der Blick und die Stimme zählen, die sich nach oben richten.

Während unter guten und edlen Herzen verbreitet wird, dass nichts wichtig ist, wenn es nicht der Bewegung folgt, die danach strebt oben zu sein.

Während auf allen Seiten die Lüge gekauft und konsumiert wird, die den kritischen Blick und die gründliche Analyse verhindert.

Während die Farbe der Erde, die wir sind, wieder vergessen wird, einschließlich von jenen, die behaupten, das Wohl aller zu suchen (*).

Während sie sich dort oben gegenseitig anblicken, und untereinander keinem zuhören.

In diesen Zeiten von Lärm und Verwirrung, wendet sich das Wort, das wir sind, dazu über jene zu treffen, die so sind wie wir.

Wir, die zapatistischen Männer und Frauen der EZLN, wissen genauso wie Sie, dass der Morgen in der Nacht geboren wird, inmitten von Stille und Schatten.

Wir wissen, dass die große Stütze der Welt, die Ceiba, die Mutter, im Unten wurzelt, in der Tiefe, in dem, was nicht gesehen wird; und von dort erhebt sie sich und stützt die Welt und den Himmel, damit sie gesehen und bewundert werden.

Und so ist unser Gedanke.

Der Gedanke, der wir sind, ist lange Zeit in unsere Herzen geschritten und gewandert, bevor er zu Wort und Weg geworden ist, der zu einem Schicksal für jene einlädt, die unten mit uns sind.

Und unsere Art bringt viele zur Verzweiflung, die von dem Lärm von oben gedrängt und bewegt werden.

Wenn wir nicht schnell und auf dem Weg jener schreiten, die oben sind, sagen sie, dass wir nicht existieren, dass wir fallen, dass wir sterben, dass wir vorbei sind, dass wir uns täuschen, das wir das Falsche tun, das wir verlieren.

Aber wir wissen, dass wir immer dann verloren haben, wenn wir zum Rhythmus von oben geschritten sind und einen Ort für unser Wort zwischen denjenigen gesucht haben, die an der Macht sind, oder nach ihr auf den Weg streben, den die Macht festlegt.

Wir wissen, dass es nicht oben ist, weder in der Zeit noch im Raum, wo wir das finden werden, was wir suchen, brauchen, wir verdienen.

Wir haben gelernt. Wir wissen jetzt.

Es ist mit denen, die so sind wie wir, weil sie anders sind.

Dort oben bieten sie uns einen Weg, voller Lichter, Prestige, Ansehen, Applaus, die Grüße jener, die das Denken und das Wort zur Arbeit haben.

Aber dieser Weg führt nicht dahin, wo wir gehen wollen.

Wenn er in eine anderen Richtung führt, wieso sollten wir unser Schreiten, dem Schreiten anderer anschließen, so viele sie auch sein mögen, auf dem Weg, der von oben abgesteckt wird?

Wir haben gelernt. Wir wissen jetzt.

Der Ort, an dem unser Schreiten Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie finden wird, existiert nicht.

Wir müssen ihn erschaffen.

Und wir müssen ihn gemeinsam mit anderen erschaffen, die in ihrem Schmerz und ihrer Geschichte verschieden sind, aber für den gleich sind, der uns ausraubt und unterdrückt, der uns verachtet und ausbeutet.

Und an diesem Ort muss die Farbe der Erde sein, die wir sind, mit ihrem eigenen Schreiten, mit unserer eigenen Art.

Compañeras und Compañeros:

Hier auf diesem Maya-Boden erinnern wir uns an die Mutter Ceiba und an die Geschichte des Gedanken, der in ihrem Körper umarmt wird. Und wir erzählen sie mit den Worten dessen, der unser Anführer gewesen ist, und die Würde der Maya Indigenas in ihrem Blut erweckte. Dies ist…

Die Geschichte des Gedankens

Unsere ältesten Vorfahren, die alten Weisen unseres Volkes erzählen, dass die allergrößten Götter, jene, die die Welt geboren haben und zum laufen brachten, damit wir sie später durchschreiten würden, alles unvollendet gelassen haben.

Und das taten sie nicht aus Faulheit, oder weil sie sich beim Tanz vergnügten.

Sie hatten das so geplant, weil die beendeten und vollständigen Welten von jenen von oben aufgezwungen werden, die das Geld zum Gott erheben, und die menschliche Dummheit zur Priesterin, die sich immer wieder, so wie jetzt, mit der Lüge zur Regierung macht.

Also sind viele Dinge unvollendet geblieben, in dieser ersten Welt, die von den allerersten Götter erschaffen wurde, die den Weg geboren haben.

Es heißt zum Beispiel, dass der Gedanke nicht von den Göttern geboren wurde.

Das heißt, dass der Gedanke nicht so geboren wurde wie wir ihn jetzt kennen, sondern kaum ein Samenkorn war, der darauf wartete von jemanden aufgenommen zu werden, der ihn zur Welt bringen und ihm Form und Art und Weg und Schicksal verleihen würde.

Und daraus sind seitdem viele Gedanken geboren worden. Und nicht nur einer alleine oder ein paar, sondern so viele wie die Farben, mit denen die Welt bemalt wurde in der wir gelebt haben und leben.

Und so gibt es zum Beispiel den Gedanken, dass nur der oder die Einzelne wichtig seien, dass das Kollektiv nichts wert ist, nicht zählt, dass man nach dem individuellen Wohl streben muss, auch wenn das auf den Kosten des schlechten Kollektivs geschieht.

Und dies ist der Gedanke, der er jetzt herrscht, und auf unsere indigenen Länder als Regierung und Wahrheit aufgezwungen wird.

Und dies ist der Gedanke, der versucht uns als das was wir sind zu vernichten, und unsere Geschichte, unsere Kultur, unser Land und unsere Würde in eine Ware zu verwandeln.

Aber dieser Gedanke tritt in vielen Verkleidungen auf, die täuschen und seine Hand verbergen.

Und manchmal tritt er als Freiheit verkleidet auf, und lügt.

Und manchmal im Anzug der Gerechtigkeit, und lügt.

Und manchmal mit dem Mantel der Demokratie, und lügt.

„Gleichheit“ sagt jener, der oben ist, weil er sich mit unserem Schmerz bereichert.

Und die Freiheit, die er verspricht ist jene zu versuchen mit unserem Blut Handel zu treiben.

Und die Justiz, die er verteidigt ist jene, die ihn ungestraft lässt und denjenigen verfolgt, der sich unten nicht ergibt.

Und die Demokratie, die er ausruft, ist die der Resignation vor den verschiedenen Gesichtern der gleichen Macht, die uns ausraubt, uns ausbeutet, uns verachtet und verfolgt.

Aber es gab und gibt einen anderen Gedanken.

Der Gedanke der weiß, dass jener, der oben von unserem Blut lebt, und jener, der unten die Welt mit seiner Arbeit zum Laufen bringt, nicht gleichgestellt sind.

Der Gedanke, der die Geschichte des Kampfes kennt, die unten schmerzt.

Der Gedanke, der danach sucht, etwas anderes zu errichten, eine andere Welt.

Der Gedanke, der sich nicht mit dem zufrieden gibt, was die Augen sehen und die Ohren hören, sondern anfängt danach zu blicken und hinzuhören, das weder erscheint, noch Ton hat.

Der Gedanke, der unsere Compañeros und Compañeros Gefangene von Atenco beflügelt, und mit dem, dem sie dem Unrecht und der Vergessenheit Widerstand leisten.

Der Gedanke, den unsere Compañeros und Compañeras aus Oaxaca aufrichten, die darum kämpfen sich von der schlechten Regierung zu befreien, die sie unterdrückt.

Der Gedanke, der schreitet, wird in jenen geboren, die sich eine neue Form Politik zu betreiben zueigen gemacht haben, die nach dem Oben, das uns verachtet weder blickt noch strebt, noch seufzt.

Der Gedanke, für den wir als indigene Völker und als Zapatisten der EZLN kämpfen.

Compañeras und compañeros:

Die indigene Maya-Legende, die erzählt, dass die Mutter Ceiba, Stütze der Welt, ihre Wurzeln in die Unterwelt versenkt und sich mit dieser Kraft erhebt und den Himmel stützt, blickt nicht nur auf die Geschichte dessen was wir waren, sondern auch darauf was wir sind und in dem Morgen sein werden, den unser Schreiten und das von anderen haben.

Als Zapatisten, als Indigene Völker mit Maya Wurzeln, als Compañeras und Compañeros im Kampf, grüßen wir die Worte und die Geschichten, die hier gesprochen werden und sich finden.

Und hier sagen wir:

Der Morgen von Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie, die wir brauchen und verdienen, wird die Farbe der Erde haben, die wir sind, oder es wird ihn gar nicht geben..

Compañeros und Compañeras, wir entrichten ihnen unseren Gruß, der allerkleinste auf der Welt, der jetzt noch nur ein Gedanke ist und im Schatten schreitet, aber bereits auf eine andere Dämmerung deutet, die den Morgen von Angst und Schande entkleidet.

Mit den indigenen Völkern!

Freiheit für die Gefangenen von Atenco!

Gerechtigkeit für das Volk von Oaxaca!

Demokratie für das Mexiko von unten!

Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee – Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.
Durch die Sechste Kommission des EZLN.

Subcomandante Insurgente Marcos .
Mexiko, August 2006.

(*) Anspielung auf die Koalition des „linken“ Präsidentschaftskandidaten Andrés Manuel López Obrador – „Por el Bien de Todos (Für das Wohl aller)“

(übs. von Dana)

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