<i>"The Name of Our Country is América" - Simon Bolivar</i> The Narco News Bulletin<br><small>Reporting on the War on Drugs and Democracy from Latin America
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Narco News Issue #42

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Worte des Delegierten Zero in der Nacht vom 15. September in Atenco

Und jene, die da oben sind, die jetzt entdecken, dass die Regierung nur Mist ist, dass die Institutionen nichts nützen.


Von Subcomandante Marcos

17. September 2006

Guten Abend, Compañeros und Compañeras von Atenco und der Anderen Kampagne, die sich hier versammelt haben um den anderen Ruf einer anderen Unabhängigkeit auszusenden, die wir erheben.

Es ist der 16. September und der Morgen bricht bereits an. „Ignacio del Valle“, ich bringe diesen Namen vor, während die dort draußen sich um die Namen von Fox, Calderón und López Obrador streiten. Und wir als Zapatisten wählen keinen von diesen dreien. Wir wählen an diesem 16. September den Namen von Ignacio del Valle und gemeinsam mit seinem Namen, den der Volksfront zur Verteidigung des Landes und des würdigen Volkes von Atenco.

Vor einem Jahr traf sich die Andere Kampagne in einer zapatistischen Gemeinde, in La Garrucha. Und an diesem Tag, am heutigen 16. September vor einem Jahr, übergaben die zapatistischen indigenen Gemeinden und die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung, die Anderen Kampagne an all diese Compañeros und Compañeras, und wir begannen gemeinsam eine Bewegung zu errichten, die anders ist als alle, die es zuvor in der Geschichte gegeben hat.

Denn jetzt, da all das passiert was dort draußen und da oben vor sich geht, suchen viele nach jemandem, der sie führt. Manche schließen sich dort an wo es viele Leute gibt, um zu hören, was der zu sagen hat, der ihnen befehlen wird, der sie zur einen oder anderen Seite führen möchte. Aber wir in der Anderen Kampagne suchen weder jemanden, der uns führt, noch rettet, noch uns das gibt was wir brauchen. Genauso wenig suchen wir in der Anderen Kampagne nach einer Gefolgschaft, wir suchen nicht nach einer Bevölkerung, die wir an einem Ort versammeln können um ihnen zu sagen, dass sie sich darauf zu beschränken haben, die Hand für das eine oder andere Anliegen zu heben.

Wir in der Anderen Kampagne, suchen uns gegenseitig, nicht damit uns jemand führt, sondern um unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Um selbst entscheiden zu können, als indigene Völker, als Campesino-Gemeinden (Campesinos= Bauern/ Feldarbeiter), als Arbeiter, als Frauen, als Jugendliche, als Angestellte, als Studenten, was wir brauchen, und wie wir es erreichen werden.

Wir in der Anderen Kampagne, suchen danach ein anderes Land zu errichten. In dem die Patria wir selbst sind, und nicht ein Symbol, um den sie sich dort zanken, damit sie zur gegeben Stunde beide losrennen, und keiner von ihnen den Ruf ausstößt, um den sie sich gestritten haben. Wir haben es vorgezogen hier mit Ihnen in Atenco zu sein.

Ignacio del Valle, Felipe, Galindo und andere Compañeros und Compañeras der Volksfront zur Verteidigung des Landes, kamen den ganzen Weg in die Gemeinden in denen die Andere Kampagne anfing. Sie waren als Volksfront zur Verteidigung des Landes vor einem Jahr dabei, als die Andere Kampagne ihren Anfang nahm. Und dann begannen wir die Reise. An vielen Orten reisten sie ebenfalls an, und mit Ihnen kamen auch Sie als Dorf. Sie sprachen nicht für sich, erzählten nicht ihre persönliche Geschichte. Sie erzählten uns und vielen anderen im ganzen Land die Geschichte der Bevölkerung von Atenco. Davon, wie sie das Land verteidigt, wie sie es erobert, und wie sie diesen Sieg errungen haben. Und in ihren Geschichten traten die Toten auf und die Gefangenen, und es trat immer der auf, der sonst niemals auftritt, der niemand ist, der weder Name noch Gesicht hat, und das noch weniger, wenn die da oben zu Abgeordneten, Senatoren, Präsidenten und Gouverneure werden, um lediglich eine kleine Geldkasse zu gewinnen oder zu verlieren, aus der sie das Geld für sich herausnehmen, und nicht für die Menschen, die es brauchen.

Damals vor einem Jahr sagten wir in der Anderen Kampagne, dass wir Compañeros sein würden. Dass wir Compañeras sein, und uns gegenseitig unterstützen würden. Und wir fingen an. Und heute erinnern wir uns hier auf diesem Land, an das Blut von Alexis Benhumea, unser Compañero, der gestorben ist weil er Atenco verteidigte. Ein junger Student, der nicht von hier war und der hier auf diesem Land starb, obwohl sich sein Tod noch lange hinauszog.

Alexis war am 4. Mai aus dem gleichen Grund hier, aus dem Ignacio del Valle, Felipe und Galindo, und alle von der Volksfront zur Verteidigung des Landes am 3. Mai in Texcoco gewesen sind. Weil wir Compañeros waren. Am 4. Mai erhoben wir Männer und Frauen der Anderen Kampagne in der ganzen mexikanischen Republik die Fahne der Freiheit und Gerechtigkeit für diese Compañeros, die angegriffen worden sind.

Später ließen einige Organisationen, Gruppen und Kollektive diese Fahne wieder fallen, und kritisierten die EZLN darüber, weshalb sie auf unilaterale Weise, ohne jemanden zu fragen, entschieden hätte die Tour der Anderen Kampagne zu unterbrechen um sich auf die Freiheit und Gerechtigkeit für die Compañeros und Compañeras von Atenco zu konzentrieren. Wann sind sie denn gekommen um Sie zu fragen, ob sie diese Fahne fallenlassen sollten? Jene, die uns jetzt schelten, weil wir den Besuch anderer Orte ausgesetzt haben, um uns darauf zu konzentrieren uns gegenseitig als Compañeros zu verteidigen und zu unterstützen: auf den Kampf um die Freiheit und Gerechtigkeit für Ignacio del Valle, für Felipe, für Galindo, für die Compañeros und Compañeras, die im Gefängnis von Santiaguito inhaftiert sind.

Sobald sich diese Bewegung zu bilden begann, welche die Reforma hält – oder hielt – und den Zócalo, ließen sie sofort die Fahne der Freiheit für Atenco fallen und liefen los um jemanden zu finden, der sie leiten sollte, der ihnen sagt was sie tun sollen. Sie haben niemanden gefragt: Wie ist das mit der unilateralen Entscheidung? Wen haben sie gefragt was wichtiger war? Sich am Schwanzende einer Bewegung dranzuhängen, die nach der Macht strebt, anstatt für Freiheit und Gerechtigkeit für einen Campesino wie Ignacio del Valle zu kämpfen, oder wie Felipe, oder wie Galindo, oder für eine Studentin, wie jene, die gerade eben zu uns sprach?

Was ist für sie wichtig, das es hier nicht gibt? Dort drüben sind die Massen, dort ist das Fernsehen, dort sind die Zeitungen, die Photos, die Künstler, die Sänger, die Maler. Dort ist die gleiche Polizei, die unsere jungen Compañeros in der Landesschule für Anthropologie angegriffen hat, als sie die Umgehungsstrasse blockierten, um Freiheit für Atenco zu fordern, Freiheit für die gefangenen Männer und Frauen von Atenco.

Und jetzt stellt sich raus, dass man so was ja doch tun darf, weil es ja ein Ausdruck der Meinungsfreiheit ist. Aber als wir es taten, war es ein Delikt. Und wenn sie es tun um die Macht zu ergreifen, dann ist es ein Recht, das ausgeübt werden muss.

Und sie denken, wir hätten keine Erinnerung. Und diese Organisationen und diese Gruppen, die vor einem Jahr sagten, wir würden Compañeros sein, und es dann im gleichen Augenblick nicht mehr waren, als die Kameras, die Mikrofone und die Photos zur anderen Seite schwenkten, denken, wir würden das vergessen, dass wir uns nicht daran erinnern werden. Sie denken, sie könnten zu der Stunde zurückkehren, wenn diese Bewegung, die Andere Kampagne, Ignacio del Valle aus dem Gefängnis holt. Denn wir werden ihn herausholen. Und während sie diese Fahne fallen ließen um die schwarz-gelbe Fahne zu ergreifen, um die Fahne einer Bewegung zu ergreifen, die legitim ist weil sie gegen den Wahlbetrug kämpft, aber die gesamte Unterstützung der anderen Regierung hat, stehen wir alleine, und kämpfen nur mit unseren eigenen Kräften.

Wir kommen her um Ihnen, Compañeros und Compañeras von Atenco zu sagen: auch wenn alle in der Anderen Kampagne den Kampf für die Freiheit unserer Compañeros aufgeben, werden wir, die Zapatistischen Männer und Frauen nicht damit aufhören. Und wir werden weiterhin für sie kämpfen, bis sie freigelassen werden. Und, wenn sie nicht freigelassen werden, werden wir sie eben selbst befreien.

Diese Compañeros und Compañeras, die im Verlauf dieses Jahres den Kampf aufgegeben haben um sich dem Schwanzende dieser anderen anzuschließen, die unsere Gefangenen verlassen und aufgegeben haben, die in der anderen Bewegung taten, was sie niemals für die Gefangenen von Atenco getan haben, diese Compañeros und Compañeras sind keine mehr. Und wir werden weitermachen, auch wenn wir es allein tun müssen. Und dennoch wissen wir, dass wir nicht alleine sind. Es gibt andere linke Organisationen, Gruppen und Kollektive, die wissen, dass die Patria, die wir uns wünschen hier unten ist, und nicht auf einem Zócalo, nicht in einer Glocke, die an jeden 16. September geschlagen wird, sondern in den Menschen, die für das Land kämpfen.

In einigen Tagen, in ein oder zwei Wochen werden Compañeros und Compañeras unserer Leitung, der Leitung der EZLN, Kommandanten und Kommandantinnen ankommen, um die Solidarität mit Atenco zu verstärken. Das haben wir Ihnen vor einiger Zeit gesagt, und nun werden wir es erfüllen. Wir werden die Reise im Norden der Republik fortsetzen, und an jedem Ort durch den wir passieren, werden wir die Geschichte dieses Unrechts vom 3. und 4. Mai erzählen, aber auch in dieser Geschichte möchten wir Sie dazu einladen, dass einer oder zwei Compañeros der Volksfront zur Verteidigung des Landes mit uns zu den nördlichen Bundesstaaten ziehen. Und dass es ihre Stimme ist, die Stimme von Ihnen allen, die Ihre Geschichte erzählt. Nicht nur die Geschichte der Gefangenen, nicht nur die der Unterdrückung. Sondern auch und vor allem die Geschichte Ihres Kampfes und Ihrer Organisation, die es ihnen ermöglichte den größten Sieg und die größte Demütigung zu erringen, die der Regierung von Vicente Fox zugefügt worden ist: die Annullierung des Flughafens, den sie auf Ihrem Land bauen wollten. Wir möchten, dass sie mit uns gehen, und ab heute werden die Niemande, die wir sind, an jedem Ort, in jeder Ecke, die Fahne der Freiheit und Gerechtigkeit für die Gefangenen von Atenco wieder erheben.

Dies ist unsere Geschichte. Man sagt uns, wir hätten mit unserer Weigerung uns der Bewegung von López Obrador anzuschließen, die Gelegenheit verloren vor Millionen von Menschen zu sprechen. Wer hat ihnen den je gesagt, dass wir vor Millionen von Menschen sprechen wollten? Das was wir wollen, ist die Stimme derer zu hören denen niemand zuhört. Das ist es, was wir dieses Jahr getan haben, und von jetzt an wieder tun werden, in der übrigen Republik.

Es gibt da eine Geschichte, eine Legende aus dem Unabhängigkeitskrieg: Vicente Guerrero kam an und stellte sich José María Morelos y Pavón vor, und sagte ihm er wolle kämpfen. Morelos stellte ihm einen Brief aus und ernannte ihn zum General. Guerreo fragte: Und wo ist meine Truppe? Morelos drehte sich um und sagte: das sind die – und er deutete auf einen Haufen indigener Campesino Männer und Frauen, die nur mit Macheten, Hacken und Stöcke bewaffnet waren. Er sagte zu Guerrero: „Das ist deine Truppe“. Mit ihnen fing Vicente Guerrero die Kampagne an, die später in der Unabhängigkeit gipfeln sollte.

Wir wollen nicht die Unabhängigkeit den Namen zu wechseln. Wir wollen nicht die Unabhängigkeit, von jemand geführt zu werden. Wir wollen die Unabhängigkeit selbst zu entscheiden. Wie der Compañero eben sagte: die Souveränität. Dass das Volk bestimmen soll. Dass wir selbst bestimmen, nicht dass ein anderer kommt, um uns zu sagen was wir tun sollen.

Es gibt da eine Maya-Legende. Wir sind Zapatisten, Indigenas von Maya-Wurzeln. Und es wird erzählt, dass der Mond eine Göttin ist: Ixchel. Diese Göttin sorgte für die Erde kümmerte, und sorgte für die Männer und Frauen von der Farbe der Erde und ließ sie heranwachsen. Und dass der Mond sich tagsüber in der Erde versteckt und Schutz sucht, und diese Männer und Frauen, die Campesinos, die Indigenas, sorgen während des Tages für das Land, damit am Abend Ixchel, die Göttin des Mondes, von Neuem erscheinen kann. Und im Austausch dafür verlieh ihnen der Mond die Kraft zu heilen. Die Kraft der Medizin. Und seit damals müssen diese Männer und Frauen, wir von der Farbe der Erde, die Schmerzen des Landes pflegen und heilen.

Wir kommen her um zu sagen, was wir bereits wissen. Dort oben gibt es keine Lösung für uns. Kein Führer, kein Caudillo wird uns eine Lösung errichten. Alles was wir haben, haben wir gemeinsam, indem wir uns organisieren erreicht. Ob mit oder ohne Presse. Ob mit oder ohne die Vielen. Wir in der Anderen Kampagne, werden auf unserem Weg fortfahren.

Und jene, die da oben sind, die jetzt entdecken, dass die Regierung nur Mist ist, dass die Institutionen nichts nützen, finden jetzt heraus, dass man für die Rechte kämpfen muss, finden jetzt heraus, dass sie der mexikanischen Bevölkerung zuhören müssen, weil niemand ihr zuhört. Ja, das haben wir bereits herausgefunden. Weil es das ist, was fehlt: dass sie uns zuhören.

Wir sagen es hier noch einmal: zwischen dem einen oder anderen Anliegen der Parteien, die oben sind, wählen wir die Volksfront zur Verteidigung der Erde. Zwischen Fox, López Obrador und Calderón, wählen wir Ignacio del Valle. Wir kommen her, um ihnen zu sagen: wir werden weiterhin für Ihre Freiheit kämpfen.

Danke Compañeros, Danke Compañeras.

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