<i>"The Name of Our Country is América" - Simon Bolivar</i> The Narco News Bulletin<br><small>Reporting on the War on Drugs and Democracy from Latin America
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Narco News Issue #42

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Die Zapatisten und die Andere Kampagne: Die Fußgänger der Geschichte

Einführung und Erster Teil - die Wege zur Sechsten Erklärung


Von Subcomandante Insurgente Marcos
Übersetzt durch Narco News

18. September 2006

Einführung

Dieser Text ist in erster Linie an und für die Anhänger/innen der Sexta (der Sechsten Erklärung) und der Anderen Kampagne gerichtet und gedacht. Und natürlich an alle, die mit unserer Bewegung sympathisieren.

Die folgenden Darstellungen sind Teil der Überlegungen und Schlussfolgerungen, die wir mit einigen Personen, Gruppen, Kollektive und Organisationen geteilt haben, die Anhänger der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald sind. Wie es in der Anderen Kampagne unsere „Art“ ist, haben wir zuerst dem Wort dieser Compañer@s zugehört, um danach unsere Analyse und unsere Schlussfolgerung vorzubringen.

Die Sechste Kommission der EZLN hat die Meinungen und Vorschläge eines Teils der Compañer@s der Anderen Kampagne, bezüglich der so genannten „postelektoralen Krise“, den Mobilisierungen an verschiedene Orte des Landes (insbesondere der APPO in Oaxaca, und von AMLO in D.F.), und der Anderen Kampagne aufmerksam mitverfolgt. In Briefen, Protokolle von Treffen und Versammlungen, über die Webseite, in einigen Fällen in öffentlichen Stellungnahmen sowie in persönlichen Zusammenkünften und Gruppentreffen, haben sich einige AnhängerInnen zu diesen Punkten geäußert.

In der letzten Juli-Hälfte und im gesamten Monat August, hielt die Sechste Kommission der EZLN multilaterale Treffen mit einigen zugehörigen Compas aus 19 Bundesstaaten der Republik ab: D.F., Bundesstaat México, Morelos, Michoacán, Querétaro, Tlaxcala, Puebla, Veracruz, Oaxaca, Guerrero, Jalisco, Hidalgo, Zacatecas, Nuevo León, San Luis Potosí, Colima, Nayarit, Guanajuato und Aguascalientes. Zusätzlich trafen wir uns auch mit politischen und sozialen Organisationen mit Präsenz in verschiedenen Teilen des Landes, und mit unseren Compañer@s vom Nationalen Indigenen Kongress.

Gemäß unserer beschränkten Möglichkeiten, fanden diese Treffen in Lokalen der Compas der Otras aus Mexiko Stadt und den Bundesstaaten Morelos, Michoacán, Querétaro, Tlaxcala und Puebla statt.

Es war uns weder möglich noch hielten wir es für wünschenswert, mit allen AnhängerInnen direkt zu sprechen. Dies hat in manchen Kreisen Anlass dazu gegeben, uns zu beschuldigen einige „ausgegrenzt“ zu haben. Diesbezüglich möchten wir sagen, dass es in der Anderen Kampagne jeder Gruppe, jedem Kollektiv, jeder Organisation oder Einzelperson freisteht zu entscheiden, mit wem sie sich in der Otra treffen möchten, wann, wie und mit welchem Anliegen. Von diesem Recht Gebrauch machend hörte und sprach die Sechste Kommission der EZLN mit denjenigen, die unsere Einladung akzeptiert haben.

Obwohl es sich um private Versammlungen handelte, waren und sind unsere Erwägungen jedoch nicht geheim. Wir baten daher diejenigen, die so freundlich waren uns zuzuhören, den anderen Compañer@s in ihren Bundesstaaten und organisatorischen Arbeitseinheiten, unsere Gedanken als Sechste Kommission der EZLN zugänglich zu machen. Einige von Ihnen stimmten großherzig zu und kamen dieser Bitte entsprechend nach. Andere haben die Gelegenheit genutzt um eigenen Beurteilungen hinzuzufügen, als ob sie die Meinungen der EZLN wiedergeben würden, oder sie haben ihre „Zusammenfassungen“ dieser Treffen vorsätzlich überarbeitet um eine tendenziöse Version unserer Vorschläge zu liefern.

Die Themen dieser Versammlungen waren:

Die nationale Situation oben, speziell mit Bezug auf die Wahlen.
Die nationale Situation unten, mit Bezug auf die Menschen, die nicht der Otra angehören.
Die Situation der Anderen Kampagne.
Der Vorschlag der EZLN für die nächsten Schritte der Anderen Kampagne.

Einige Erwägungen der Compas mit denen wir uns getroffen haben, haben wir hier in unsere eigenen Gedanken, Überlegungen und Schlussfolgerungen mit einbezogen. Wir möchten jedoch klarstellen, dass was wir hier kommunizieren und all unseren Compañer@s der Sexta und der Otra vorschlagen, einzig und alleine der Verantwortung der Sechsten Kommission der EZLN unterliegt, und wir dies als zugehörige Organisation der Anderen Kampagne tun.

Wir möchten uns bei all jenen, die sich ausgeschlossen oder marginalisiert gefühlt haben aufrichtig entschuldigen und um ihr Verständnis bitten.

Wir präsentieren hier nur teilweise eine kurze Zusammenfassung der Vorgänge im Inneren der EZLN, die zur Entstehung der Sechsten Erklärung geführt haben, unsere Bilanz des ersten Jahres der Sexta und der Anderen Kampagne (die keinen Anspruch auf Endgültigkeit erhebt), unsere Analyse und Stellungnahme zu dem was oben geschieht, und unseren Vorschlag für die nächsten Schritte der Anderen Kampagne.

Die hier dargelegten Punkte sind in ihren Grundzügen bereits mit den KommandantInnen des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees der EZLN konsultiert worden, und geben somit nicht nur die Haltung der Sechsten Kommission wieder, sondern die der gesamten Leitung der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.

Sale y vale.

Subcomandante Insurgente Marcos.
Mexiko, September 2006.

Die Zapatisten und die Andere Kampagne: die Fußgänger der Geschichte

September 2006

Erster Teil: Die Wege zur Sechsten Erklärung

Da wir dieses Thema bereits behandelt haben, geben wir hier eine knappe Umschreibung der internen Prozesses der EZLN, der zur Sechsten Erklärung führte:

1. – Der Verrat der mexikanischen politischen Klasse und ihr Zerfall.

Ende April 2001, nach dem Marsch der Farbe der Erde und trotz der Unterstützung von Millionen Menschen aus Mexiko und der ganzen Welt für die konstitutionelle Anerkennung der indigenen Rechte und Kultur, bewilligte die politische Klasse in ihrer Gesamtheit eine Gegenreform. Da wir darüber bereits ausführlicher gesprochen haben, geben wir hier lediglich das Wesentliche wieder: die drei wichtigsten Landesparteien, PRI, PAN und PRD, drehten den gerechten Forderungen der Indigenas den Rücken zu und verrieten uns.

An diesem Punkt kam es zu einem definitiven Bruch.

Dieses Ereignis (die jene sorgfältig „vergessen“, die unsere Kritik an die gesamte politische Klasse beanstanden), war grundlegend für die folgenden Schritte der EZLN, sowohl in interner als auch in externer Hinsicht. Von hier an nahm die EZLN eine Auswertung dessen vor, was ihr Vorschlag gewesen war, des nachfolgenden Prozesses, und der möglichen Gründe dieses Verrats.

Durch öffentliche und private Analysen, charakterisierte die EZLN das dominierende sozial-wirtschaftliche Modell in Mexiko als NEOLIBERAL. Wir kennzeichneten eins seiner Hauptmerkmale als die Zerstörung des Nationalstaates, die unter anderem auch den Zerfall der politischen Akteure, ihrer Herrschaftsbeziehungen und ihrer „Gepflogenheiten“ beinhaltet.

Der EZLN hatte bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass in einigen Sektoren der politischen Klasse eine gewisse Sensibilität existierte, insbesondere unter denjenigen, die sich um die Figur von Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano scharrten (innerhalb und außerhalb der PRD); und dass es möglich wäre, durch Mobilisierungen und in Allianz mit diesem Sektor, den Regierenden die Anerkennung unserer Rechte als indigene Völker zu entringen. Aus diesem Grund war ein großer Teil der externen öffentlichen Aktionen der EZLN auf den Gespräch mit dieser politischen Klasse, und auf den Dialog und die Verhandlungen mit der Bundesregierung ausgerichtet.

Wir dachten, dass die Politiker von oben eine Forderung begreifen und erfüllen würden, die einen bewaffneten Aufstand und das Blut mexikanischer Bürger gefordert hatte; dass dies den Dialog- und Verhandlungsprozess mit der Bundesregierung zu einem befriedigenden Abschluss führen könnte; dass wir auf diese Weise dazu übergehen könnten zivile und friedliche Politik zu betreiben; dass mit der konstitutionellen Anerkennung eine „juristische Grundlage“ für die Autonomieprozesse gegeben sein würde, die sich in verschiedenen Teilen des indigenen Mexikos heranbildeten; und dass dies eine Stärkung des Pfades von Dialog und Verhandlung als Alternative für die Lösung von Konflikte bedeuten würde.

Wir irrten uns.

Die politische Klasse in ihrer Gesamtheit war habgierig, niederträchtig, geizig und dumm. Die Entscheidung der drei wichtigsten politischen Parteien (PRI, PAN und PRD) zeigte, dass die angeblichen Unterschiede, die zwischen ihnen bestehen, nichts weiter sind als Simulationen. Die „Geometrie“ der Politik von oben war durcheinander geraten. Es gab weder eine Linke, noch eine Mitte, noch eine Rechte. Nur eine einzige Räuberbande die Immunität genossen… und Zynismus zu den besten Sendezeiten.

Wir wissen nicht ob wir uns von Anfang an geirrt haben, ob der Zerfall der politischen Klasse bereits 1994 (als die EZLN sich für zivile und friedliche Initiativen entschied) im Gange war (und der so genannte „Neocardenismus“ nur eine Nostalgie für 1988 war); oder ob die Macht den Zersetzungsprozess der professionellen Politiker in den letzten sieben Jahren beschleunigt hat.

Seit 1994 hatten sich uns Menschen und Gruppen der damaligen so genannten „Zivilgesellschaft“ genähert, um uns zu sagen, dass der Neocardenismus ehrlich, konsequent und ein natürlicher Verbündeter aller Volkskämpfe sei, nicht nur des neozapatistischen. Wir glauben, dass diese Menschen in den meisten Fällen in guter Absicht handelten.

Die Haltung zur indigenen Gegenreform die heute von Vicente Fox, Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano, und seinem Sohn, den pathetischen Lázaro Cárdenas Batel (heute Gouverneur eines vom Drogenhandel kontrollierten Michoacáns) eingenommen wird, ist bereits bekannt.

Aus der Feder von AMLOs späteren glänzenden Wahlkampfkoordinators, Jesús Ortega, stimmten die PRD Senatoren für ein Gesetz, das sogar von anti-zapatistischen indigenen Organisationen als Farce denunziert wurde. So bestätigten sich die Worte eines alten linken Militanten: „General Cárdenas ist 1988 gestorben“. Die PRD Abgeordneten ihrerseits bewilligten in der unteren Kammer eine Reihe sekundärer Gesetze und Regelungen, die den Verrat konsolidierten.

Wir erinnern nur daran, dass wir, als wir dieses Verhalten des Neocardenismus öffentlich denunzierten, von den gleichen Menschen angegriffen wurden (einschließlich von Karikaturen), die Cárdenas heute praktisch als Verräter bezeichnen (nur diesmal, weil er López Obrador nicht unterstützte). Natürlich, es ist eine Sache ein Paar Indios zu verraten, und etwas völlig anderes den FÜHRER zu verraten. Uns nannte man damals „Sektierer“, „Marginale“, und den Zapatisten wurde vorgeworfen mit dem „Angriff“ auf Cárdenas, der Rechten in die Hand zu spielen. Klingt das vertraut? Und heute möchte sich der Ingenieur zum „Linken“ mausern und AMLO kritisieren… während er für den Untermieter in Los Pinos in der Kommission für die Zweihundertjahrfeier der mexikanischen Unabhängigkeit arbeitet.

Nach diesem Verrat konnten wir nicht so tun, als ob nichts passiert sei (wir sind keine PRDistas). Um das indigene Gesetz zu erzielen hatten wir ein Dialog- und Verhandlungsprozess mit der Bundesregierung aufgenommen und Vereinbarungen getroffen, wir hatten ein Gespräch mit der politischen Klasse aufgebaut, und wir hatten die Menschen (in Mexiko und auf der ganzen Welt) dazu aufgerufen, sich mit uns für diese Forderung zu mobilisieren.

In unserem Irrtum haben wir viele Menschen hineingezogen.

Nicht mehr. Der nächste Schritt der EZLN würde nicht nur nicht darauf ausgerichtet sein mit denen von oben zu sprechen und ihnen zuzuhören, sondern sollte sie auch radikal konfrontieren. Das heißt, der nächste Schritt der EZLN würde sich gegen alle Politiker richten.

2.- Bewaffneter Kampf oder zivile und friedliche Initiative?

Nachdem der Oberste Nationale Gerichtshof (SCJN) die Proteste und Einsprüche der verschiedenen indigenen Gemeinden gegen die Gegenreform zurückgewiesen hatte, riefen einige Intellektuelle (von denen einige uns später vorwerfen würden, AMLO und die PRD im Kampf um die Präsidentschaft nicht unterstützt zu haben) implizit zur Gewalt auf. Mit mehr oder weniger Worte sagten sie, den Indigenas bliebe nun keine andere Wahl (lesen Sie die Erklärungen und Leitartikel dieser Tage – September und Oktober 2002). Einige von ihnen, die heute dem glänzenden „intellektuellen Organ“ der post-elektoralen Bewegung von López Obrador angehören, feierten die Entscheidung des SCJN und schrieben, dass der EZLN damit nur noch zwei Wege offen stünden: eine Neuverhandlung mit der Regierung, oder ein erneuter bewaffneter Aufstand.

Die Alternativen die von oben vorgeschlagen wurden (und von gewissen „linken“ Intellektuellen aufgegriffen wurden), sind falsch. Es ist auf unsere Selbstbetrachtung zurückzuführen, dass wir uns weder für das eine noch das andere entschieden haben.

Wir hatten also die Option, den bewaffneten Kampf wieder aufzunehmen. Wir besaßen dazu nicht nur die nötige militärische Kapazität, sondern auch die Legitimität es zu tun. Aber die militärische Aktion ist eine typisch ausgrenzende Aktion, das beste Beispiel für Sektierertum. Sie steht nur jenen offen, die dafür die Ausrüstung, die Kenntnisse und die körperlichen und geistigen Voraussetzungen besitzen, und die nicht nur bereit sind zu sterben sondern auch zu töten. Wir hatten darauf nur zurückgegriffen, weil uns, wie wir es damals schon sagten, kein anderer Weg mehr übrig gelassen wurde.

Außerdem waren wir 1994 eine Verpflichtung eingegangen, auf den zivilen Weg zu beharren. Nicht mit der Regierung, sondern mit „den Menschen“, mit der „Zivilgesellschaft“, die in diesen sieben Jahren nicht nur unsere Forderung unterstützt, sondern auch direkt an unsere Initiativen teilgenommen hatte. Diese Initiativen waren Freiräume für die Beteiligung aller, einzig unter Ausschluss der Unehrlichkeit und des Verbrechens.

Unserem Ermessen zufolge, waren wir diesen Menschen gegenüber eine Verpflichtung eingegangen. Deshalb dachten wir, musste unser nächster Schritt ebenfalls eine zivile und friedliche Initiative sein.

3. – Die Lektion der früheren Initiativen: nach unten blicken.

Während die politische Klasse in 2001 ihren Verrat in ein Gesetz verwandelte, lieferte in den zapatistischen Gemeinden die Delegation, die an den so genannten „Marsch der Farbe der Erde“ teilgenommen hatte ihren Bericht ab. Entgegen allen Erwartungen, bezog sich der Bericht in erster Linie nicht auf das, was mit und von Politikern, Direktoren, Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle gesprochen und gehört worden war; sondern auf das, was wir in dem Mexiko von unten gesehen und gehört hatten.

Und die Auswertung, die wir vorlegten, stimmte mit der überein, die von den 5.000 Delegierten der Consulta von 1999 und des Marsches der 1.111 von 1997 vorgebracht worden war. Nämlich, dass es einen Sektor der Bevölkerung gab, der uns aufrief, der uns sagte „wir unterstützen euch bei diesen indigenen Forderungen, aber was ist mit uns?“ Und dieser Sektor war und wird gebildet von Campesinos, Arbeitern, Frauen, Jugendlichen. Vor allem Frauen und Jugendliche aller Farben aber mit der gleichen Geschichte der Demütigung, Enteignung, Ausbeutung und Unterdrückung.

Nein, wir lasen daraus nicht, dass sie einen bewaffneten Aufstand forderten. Auch nicht, dass sie auf einen Anführer, einen Lenker, einen „Hoffnungsstrahl“ warteten. Nein, was wir lasen und verstanden war, dass sie hofften, wir würden gemeinsam mit ihnen für ihre jeweiligen Forderungen kämpfen, so wie sie gemeinsam mit uns für die unseren kämpften. Wir lasen und verstanden, dass diese Menschen eine andere Form wollten sich zu organisieren, Politik zu betreiben, zu kämpfen.

Der „Einsatz“ der 1.111 und der 5.000 hatte dazu geführt, unser Hören und unseren Blick weiter zu „öffnen“, denn diese Compas hatten DIREKT UND OHNE VERMITTLER, jene von unten gesehen und gehört. Nicht nur die Lebensbedingungen der Personen, Familien, Gruppen, Kollektive und Organisationen, sondern auch ihre kämpferische Überzeugung, ihre Geschichte, ihr „das bin ich“, ihr „hier bin ich“. Und es waren Menschen, die nie in der Lage gewesen sind unsere Gemeinden zu besuchen, die unseren Prozess nicht direkt kannten, die über uns nur das wussten, was unser Wort ihnen erzählt hatte. Und das waren nicht Menschen, die auf der Bühne der verschiedenen Initiativen gestanden hatten, in denen die Neuzapatisten in direktem Kontakt mit den Bürgern getreten waren.

Es war bescheidene und einfache Leute, denen niemand zuhörte, und denen wir zuhören mussten… um zu lernen, um Compañer@s zu werden. Unser nächster Schritt sollte dazu dienen, in direkten Kontakt mit diesen Menschen zu treten. Und während dies früher erfolgt war um selbst zu sprechen und von ihnen angehört zu werden, sollte es jetzt dazu dienen ihnen zuzuhören. Und nicht um mit ihnen konjunkturbedingt in Beziehung zu treten, sondern langfristig, als Compañer@s.

Unsere Analyse ergab auch, dass die zapatistische Delegation bei den Initiativen bei denen sie „auftraten“, zumeist durch eine Gruppe von Personen „isoliert“ wurde: jene, die organisierten, die entschieden wann, wo und mit wem. Wir urteilen nicht ob das gut oder schlecht war, wir weisen nur darauf hin. Daher sollte die folgende Initiative in der Lage sein derartige „Isolationen“ von Anfang an „wahrzunehmen“, um sie später zu vermeiden.

Außerdem hatten die „Auftritte“ der EZLN, ob gewollt oder ungewollt, dem Gespräch mit einem Sektor der Bevölkerung den Vorzug gegeben: die kultivierte Mittelklasse, Intellektuelle, Künstler, Wissenschaftler, soziale und politische Führer. Vor der Wahl gestellt, würden wir uns in der neuen Initiative zwischen diesem Sektor oder dem der am meisten Enteigneten entscheiden müssen. Und wenn wir uns entscheiden mussten, dann würden wir uns für sie entscheiden, für jene von unten, und einen Raum errichten um uns mit ihnen zu treffen.

4. – Die Kosten der Konsequenz.

Jede Schlussfolgerung, die wir in der internen Analyse zogen, führte uns zu einer neuen Definition, und diese wiederum zu einer neuen Schlussfolgerung. Wie es unsere Art ist, konnten wir die Menschen nicht zu einer Initiative aufrufen, ohne ihnen klar zu sagen, was wir dachten, und wohin wir gehen wollten. Wenn unsere Auswertung ergeben hatte, dass wir mit der politischen Klasse nichts zu tun haben würden, nichts mit denen von oben, mussten wir das sagen. Wir mussten eine frontale und radikale Kritik der GESAMTEN politischen Klasse aufbieten, ohne weiterhin zu unterscheiden (so wie wir früher Cárdenas und die PRD unterschieden hatten), und unsere Argumente und Gründe dafür liefern. Das heißt, wir mussten die Menschen davon in Kenntnis setzen, dass es einen Bruch gegeben hatte.

Wir dachten damals (und, wie er sich hinterher herausstellte, haben wir uns nicht geirrt), dass der Sektor, der früher Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano folgte, später die legislativen Handlungen der PRD-Regierung „vergessen würden“, die Aufnahme ehemaliger PRIistas, das Kokettieren mit dem großen Geld, die Unterdrückungen und Aggressionen der PRD-Regierungen gegen Volksbewegungen außerhalb ihrer Umlaufbahn, das komplizenhafte Schweigen von López Obrador angesichts der PRD-Abstimmung gegen die San Andrés Verträge im Senat, und AMLOs Ernennung zum neuen Anführer. Auf López Obrador werden wir später zu sprechen kommen, für jetzt genügt es zu sagen, dass die Kritik ihn mit einbezog, und dies wie erwartet diesen Sektor, der dem Neozapatismus nahe gestanden hatte, verärgerte und entfremdete.

Zu diesem Sektor, der in erster Linie, aber nicht ausschließlich, von Intellektuellen, Künstler, Wissenschaftler und soziale Führer gebildet wurde, gehörte auch die so genannte „Sozialbasis der PRD“, und viele Menschen, die ohne der PRD anzugehören oder mit ihr zu sympathisieren glaubten, dass es in der mexikanischen politischen Klasse noch etwas gab, dass zu retten sei. Und all diese Menschen, gemeinsam mit vielen weiteren, die sich der Analysen und Positionen der PRD nicht anschlossen, hatten eine Art „Schutzschild“ um die indigenen zapatistischen Gemeinden gebildet. Sie hatten sich jedes Mal mobilisiert, wenn wir eine Aggression erlitten hatten … außer wenn diese Aggression von der PRD ausging.

Die Kritik und die Distanzierung gegenüber AMLO, würde von jenen, die ihn für ihre Alternative für oben hielten und es weiterhin tun, als eine Kritik gegen sich selbst betrachtet werden. Ergo würden sie nicht nur aufhören uns zu unterstützen, sondern sie würden auch dazu übergehen uns anzugreifen. So geschah es.

Unter den „Triumphen“ derer, die aus dem Bereich der Akademie, der Wissenschaften, der Künsten, der Kultur und der Information, López Obrador bedingungslos und unkritisch unterstützen (und die Intoleranz und Despotismus an den Tag legen auch ohne die Regierung innezuhaben) ist auch einer, der unbeachtet geblieben ist: sie haben das erreicht, was weder das Geld, noch Unterdrückungen und Drohungen geschafft haben, das heißt, die wenigen öffentlichen Räume zu versperren, die dem Wort der EZLN offen standen. Zuerst durch Lügen, dann durch Verdrehungen und Verleumdungen, dann durch Drängen, und zuletzt durch die Beseitigung unseres Wortes. Jetzt haben sie freies Feld um sich zum (vorbearbeiteten) schrillen Echo für alles zu machen was AMLO sagt und dem er widerspricht, ohne dabei von irgendwen oder irgendjemanden überschattet zu werden.

Aber die Kosten würden nicht nur politisch sein … sondern auch militärisch. Das heißt, der „Schutzschild“ würde aufhören zu existieren, und die Möglichkeit eines Militärangriffs gegen den EZLN würde für die Mächtigen immer attraktiver erscheinen. Die Aggression würden dann olivgrün, blau und dreifarbig gekleidet kommen …, oder wie es der Fall war, in gelb (die PRD-Regierung von Zinacantán, Chiapas, griff am 10. April, 2004 eine friedliche Mobilisierung zapatistischer Unterstützungsbasen mit Schusswaffen an, die gelben Paramilitärs bildeten später, von der PRD gefördert, die ersten „Bürgernetzwerke für die Unterstützung AMLOs“, eine weitere „Vergesslichkeit“ derer, die der EZLN vorwarfen und vorwerfen, den PRD-Politiker weder unterstützt zu haben noch zu unterstützen).

Also beschlossen wir die politisch-militärische Organisation von der zivilen Struktur der Gemeinden zu trennen. Dies war dringend notwendig. Die Einmischung der politisch-militärischen Struktur in den Gemeinden hatte aufgehört ein Antrieb zu sein, und begonnen ein Hindernis zu werden. Der Augenblick war gekommen beiseite zu treten und nicht länger zu stören. Aber es ging nicht nur darum zu vermeiden, dass der Prozess, den die zapatistischen Gemeinden (mit eigenem Einsatz, Erfindungsgeist und Kreativität) errichtet hatten, gemeinsam mit der EZLN vernichtet, oder von ihr gestört werden würde. Es sollte auch sicherstellen, dass die Kosten der Kritik an die politische Klasse nur von der EZLN, und vorzugsweise von ihrem militärischen Anführer und Sprecher „gezahlt“ werden würden.

Aber nicht nur das. In dem Fall, dass die zapatistischen Gemeinden entschieden den Schritt zu unternehmen, den die EZLN als notwendig, dringend und konsequent ansah, mussten wir darauf vorbereitet sein einen Angriff zu überleben. Aus diesem Grund würde später die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald mit einem Roten Alarm beginnen, und erforderte eine jahrelange Vorbereitung.

5. – Antikapitalistisch und links.

Aber die wichtigste Schlussfolgerung zu der wir in unserer Auswertung gekommen waren, hatte nichts mit diesen Aspekten zu tun, die wir als taktisch bezeichnen, sondern mit etwas Grundlegendem: der Verantwortliche für unseren Schmerz, für die Ungerechtigkeiten, die Verachtung, den Raub und die Schläge, mit denen wir leben, ist ein wirtschaftliches, politisches, soziales und ideologisches System, das kapitalistische System. Der nächste Schritt de Neozapatismus würde es sein diesen Verantwortlichen eindeutig zu kennzeichnen, nicht nur für die Verweigerung der indigenen Rechte und Kultur, sondern für die Verweigerung der Rechte und für die Ausbeutung der großen Mehrheit der mexikanischen Bevölkerung. Das heißt, es musste eine Initiative gegen das System sein. Obwohl alle Initiativen der EZLN in der Regel gegen das System gerichtet waren, waren sie nicht immer eindeutig als solche gekennzeichnet worden. Die gesamte Mobilisierung für die indigenen Rechte und Kultur war innerhalb des Systems erfolgt, mit der Absicht ein Dialog und einen juristischen Raum innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu errichten.

Und die Definition des Kapitalismus als Verantwortlichen und Feind brachte eine weitere Schlussfolgerung mit sich: wir mussten über den indigenen Kampf hinausgehen. Nicht nur in unseren Erklärungen und Vorschlägen, sondern auch in der Organisation.

Was gebraucht wurde und wird, so dachten und denken wir, ist eine Bewegung, die die Kämpfe gegen das System vereint, das uns ausraubt, ausbeutet, unterdrückt und als Indigenas verachtet. Und nicht nur uns als Indigenas, sondern auch Millionen andere, die keine Indigenas sind: Arbeiter, Campesinos, Angestellte, Kleinhändler, Strassenhändler, SexarbeiterInnen, Arbeitslose, Migranten, Unterbeschäftigte, Strassenarbeiter, Homosexuelle, Lesben, Transsexuelle, Frauen, Jugendliche, Kinder und Alte.

Im Lauf der Geschichte des öffentlichen Lebens der EZLN hatten wir andere Organisationen und indigene Völker kennen gelernt und hatten Beziehungen zu ihnen aufgenommen. Der Nationale Indigene Kongress hatte uns nicht nur gestattet die Kämpfe und die Autonomieprozesse, die von indigenen Völkern vorangebracht wurden in Erfahrung zu bringen und von ihnen zu lernen, sondern uns auch beigebracht mit ihnen respektvoll in Beziehung zu treten.

Aber wir hatten auch Organisationen, Kollektive und politische und kulturellen Gruppen kennen gelernt, die sich eindeutig als antikapitalistisch und links definierten. Ihnen gegenüber hatten wir immer Misstrauen, Distanz und Skepsis bewahrt. Unser Verhältnis zueinander hatte vor allem aus einer ununterbrochenen Nichtbegegnung bestanden… beiderseits.

Mit der Anerkennung des kapitalistischen Systems als Quelle des indigenen Schmerz, musste die EZLN auch anerkennen, dass es diesen Schmerz nicht nur uns verursachte. Da gab und gibt es auch diese Anderen, denen wir im Verlauf dieser 12 Jahre begegnet sind. Ihre Existenz anzuerkennen bedeutete ihre Geschichte anzuerkennen. Das heißt, keine dieser Organisationen, Gruppen und Kollektiven war mit der EZLN geboren worden, weder durch ihr Beispiel, noch in ihrem Schatten, noch unter ihren Fittichen. Sie waren und sind Gruppierungen mit einer eigenen Geschichte des Kampfes und der Würde. Eine kapitalistische Initiative gegen das System musste sie nicht nur berücksichtigen, sondern auch eine ehrliche Beziehung zu ihnen vorschlagen, das heißt eine Beziehung des Respekts.

Die Compañer@s vom Nationalen Indigenen Kongresses hatten uns beigebracht, dass die Anerkennung von Geschichte, Vorgehensweisen und Zielen, die Basis des Respekts bildet. Also dachten wir, wir könnten den anderen antikapitalistischen Organisationen, Gruppen und Kollektiven diesen Vorschlag machen. Die neue Initiative sollte den Aufbau der Gemeinsamkeiten und Bündnisse mit diesen Anderen vorschlagen, ohne eine völlige Vereinheitlichung oder Hegemonie von ihnen oder der EZLN zu bedeuten.

6. – Nach oben blicken … was nicht gesagt wird.

Während oben der Kampf um die Präsidentschaft im Gange war, wurde uns klar, dass es das Fundamentale niemals berühren würde: das wirtschaftliche Modell. Das heißt, das System, dem wir als indigene Völker und als MexikanerInnen unterworfen sind, wurde in keinem Vorschlag derer angesprochen, die sich dort oben stritten, weder von der PRI, noch von der PAN, noch von der PRD.

Wie bereits hingewiesen wurde, und nicht nur von uns, war und ist der angebliche „linke“ Vorschlag (der PRD im allgemeinen und von AMLO insbesondere) nichts dergleichen. Es war und ist ein Projekt der Krisenadministration, um Gewinne für die großen Eigentümer zu sichern und den soziale Unmut durch wirtschaftliche Hilfen, durch die Kooptierung von Anführern und Bewegungen, und durch Drohungen und Repression zu kontrollieren. Seit dem Eintritt von Cárdenas Solórzano in die Hauptstadtregierung, später mit Rosario Robles, und danach mit López Obrador und Alejandro Encinas, wurde und wird Mexiko Stadt wie unter der PRI regiert, aber jetzt unter der Fahne des PRD. Die Partei hat sich geändert, aber die Politik bleibt die gleiche.

Aber AMLO besaß und besitzt was keiner seiner Vorgänger hatte: Charisma und Geschick. So wie Cárdenas vor ihm die Stadtregierung als Sprungbrett für die Präsidentschaft benutzte; tat López Obrador das auch, aber geschickter und erfolgreicher als der Ingenieur. Die Regierung von Vicente Fox, mit ihren Ungeschicklichkeiten, wurde zum wichtigsten Förderer und Publizisten der Kandidatur des PRD-Politikers. Unseren Schätzungen zufolge würde AMLO die Wahl zum Präsidenten der Republik gewinnen.

Und wir haben uns nicht geirrt. López Obrador erhielt die meisten Stimmen unter denen, die sich um die Präsidentschaft stritten. Obwohl nicht so groß wie vorausgesagt, war sein Vorsprung klar und eindeutig.

Worin wir uns geirrt hatten was zu denken, dass das Mittel des Wahlbetrugs bereits der Vergangenheit angehörte. Aber darauf werden wir später zu sprechen kommen.

Unserer Analyse zufolge, würde der Antritt von AMLO und seines Regierungsteams (zusammengesetzt aus offenen oder verschämten Salinisten, und einem Haufen niederträchtiger und verabscheuungswürdigen Personen) an der Präsidentschaft der Republik, den Antritt einer Regierung bedeuten, die vorgab links zu sein, aber eine rechte Politik betrieb (so wie es die Regierung von D.F. getan hat und tut). Und darüber hinaus würde sie die Macht mit Legitimität, Sympathie und Popularität antreten. Aber sie würde das Essentielle des wirtschaftlichen Systems nicht anrühren. Um mit den Worten von AMLO und seines Teams zu sprechen: „die makrowirtschaftliche Politik wird weiterhin fortgesetzt werden.“

Wie es fast niemand sagt, bedeutet diese „makrowirtschaftliche Politik“ eine steigende Ausbeutung, die Zerstörung der sozialen Sicherheit, die Gefährdung der Arbeit, die Enteignung von Ejido- und Gemeindeländereien, eine zunehmende Migration in die Vereinigten Staaten, die Vernichtung von Geschichte und Kultur, die Unterdrückung der Unzufriedenheit in der Bevölkerung . . . und die Privatisierung des Erdöls, der Stromindustrie und aller natürlichen Ressourcen (was im lopezobradorischen Diskurs als „Co-Investition“ getarnt wird)

Die „soziale“ Politik (die „Analysten“ um AMLO „vergessen“ wieder einmal die großen Ähnlichkeiten mit der „Solidarität“ von Carlos Salinas de Gortari“ – dem „Unnennbaren“, der im Team von López Obrador wiederbenannt wurde) des PRD-Vorhabens, so wurde uns gesagt, würde es gestatten die Ausgaben des Regierungsapparates zu verringern, und die Korruption zu eliminieren (ha!). Die eingesparten Gelder würden dazu dienen, den „schwächsten“ Sektoren zu helfen (Senioren und ledige Mütter), und um die Wissenschaften, Künste und Kultur zu unterstützen.

Also dachten wir: AMLO gewinnt die Präsidentschaft mit Legitimität und mit der Unterstützung der großen Unternehmer, und dazu noch mit der bedingungslosen Unterstützung der progressiven Intellektuellen; der Vernichtungsprozess unserer Heimat wird fortgesetzt (aber unter dem Alibi eine Zerstörung „der Linken“ zu sein); und jede Art von Opposition oder Widerstand würde als „von der Rechten gefördert, nützlich für die Rechte, sektiererisch, ultra-radikal, infantil, im Bunde mit Martha Sahagún (damals schien Martita die Wunschkandidatin der PAN zu sein – später lautete ihr Etiquette „Verbündete von Calderón“) – und bla, bla, bla“ kategorisiert, unterdrückt (wie die Studentenbewegung in 1999-2000; die Bevölkerung von San Salvador Atenco – erinnern wir uns, dass alles mit dem PRD-Bezirkspräsidenten von Texcoco begann, die PRD Abgeordneten des Bundesstaates von México, die heute die Freiheit der Gefangenen fordern, haben zu der Zeit die polizeiliche Repression begrüßt und unterstützt; und die Jugendlichen, die von der PRD Regierung dieses „Verteidigers der Ausdrucksfreiheit“, Alejandro Encinas unterdrückt wurden, paradoxerweise, weil sie eine Strasse blockierten um Freiheit und Gerechtigkeit für Atenco zu fordern); angegriffen (wie die zapatistischen Unterstützungsbasen in Zinacantán); oder verleumdet, verfolgt und verteufelt (wie die Andere Kampagne und die EZLN).

Aber die Illusion würde verfliegen, sobald ersichtlich wurde, dass sich für die von unten nichts geändert hat. Und dann würde eine Phase der Entmutigung, Verzweiflung und Enttäuschung einsetzen, das heißt, der Nährboden für den Faschismus.

Für diesen Augenblick würde eine organisatorische linke Alternative vonnöten sein. Unserer Rechnung zufolge, würde sich die wahre Natur des so genannten „Alternativen Landesprojekts“ in den ersten drei Regierungsjahren definieren.

Unsere Initiative musste dies berücksichtigen und darauf vorbereitet sein, mehrere Jahre lang alles gegen sich zu haben (einschließlich von Karikaturen), bevor sie zu einer wirklichen linken und antikapitalistischen Option werden würde.

7.- Was danach folgte? Die Sexta.

Ende 2002 war das Projekt, das später als die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald bekannt werden würde, bereits grob umrissen: eine neue politische Initiative, zivil und friedlich; antikapitalistisch, die das Gespräch mit den Politikern nicht nur nicht suchte, sondern diese auch offen und vorbehaltlos kritisierte; die den direkten Kontakt zwischen der EZLN und den Anderen von unten ermöglichte; die ihnen zuhörte, die es vorzog, mit den einfachen und bescheidenen Menschen in Beziehung zu treten, die es gestattete sich mit Organisationen, Gruppen und Kollektive mit der gleichen Auffassung zu verbünden, die ausdauernd war, die darauf vorbereitet sein musste, mit allem gegen sich zu laufen (einschließlich des Sektors der progressiven Künstler, Wissenschaftler und Intellektuellen), und die bereit war eine Regierung zu konfrontieren, die als legitim galt. Kurzum: zu sehen, hören, sprechen, laufen, kämpfen, unten … und links.

In Januar 2003, „besetzten“ Zehntausende Zapatisten die Stadt von San Cristóbal de las Casas, Chiapas. Macheten (zu Ehren der RebellInnen von Atenco) und brennende Ocote-Zweige erstrahlten und erleuchteten den zentralen Marktplatz des altehrwürdigen Jovel. Die zapatistische Führung hielt eine Rede. Unter ihnen warnte Comandante Tacho jene, die auf das Vergessen, den Zynismus und die Bequemlichkeit setzten: „Sie irren sich, es gibt da noch etwas anderes“.

In diesem Augenblick, noch halb im Schatten der Dämmerung, fing die Sechste Erklärung an zu laufen…

(Fortsetzung folgt…)

Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee – Generalkommandantur der EZLN und für die Sechste Kommission.

Subcomandante Insurgente Marcos.
Mexiko, August-September 2006.

(übs. Von Dana)

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